«Wir wollen junge Menschen in der digitalen Welt stärken»

Die Fondation Sana richtet ihren Fonds für Gesundheitsförderung und Prävention neu aus.

In den kommenden drei Jahren fördert sie gezielt Projekte für die mentale Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der digitalen Welt – mit einem neuen, zweistufigen Auswahlverfahren. Die erste Ausschreibung für das Jahr 2027 ist ab Anfang Dezember 2026 online. Andreas Thut, Präsident der Kommission des Fonds, erklärt, was sich ändert und welche Projekte gesucht sind.

Ihr habt entschieden, eure Förderung künftig auf ein Schwerpunktthema auszurichten. Weshalb?

In den letzten Jahren haben wir immer mehr Gesuche erhalten – viele davon spannend und wichtig, aber aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Als Kommission sind wir überzeugt, mit einem klaren Schwerpunkt mehr zu bewirken: Wir bündeln unsere Mittel auf ein Thema, in das wir uns vertieft einarbeiten und können so gezielt Lücken im Gesundheitswesen schliessen – getreu der Mission der Fondation Sana. Das schafft zudem für Gesuchstellende Klarheit, welche Projekte zu uns passen und Chancen auf eine Förderung haben. Seit Anfang 2026 haben wir dafür die Modelle anderer Förderinstitutionen studiert und mehrere Themen vertieft geprüft. Der Fokus gilt nun für drei Jahre, danach legen wir den nächsten Schwerpunkt fest.

Welches Thema steht im Zentrum – und warum gerade dieses?

Unser Fokus für die nächsten drei Jahre heisst «Mentale Gesundheit bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der digitalen Welt». Bei unseren Abklärungen hat uns die Dynamik beeindruckt: Es geht längst nicht mehr nur um Social Media, sondern um digitale Tools ganz generell – und mit der rasanten Entwicklung der künstlichen Intelligenz kommen laufend neue Chancen, aber auch Herausforderungen und Risiken dazu: Eine Ende 2025 publizierte Langzeitstudie des Karolinska-Instituts mit über 8’000 Kindern in den USA zeigt, dass Kinder mit viel Social-Media-Konsum über die Jahre zunehmend Mühe haben, sich zu konzentrieren. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass in diesem Feld zwar ein nationales Forschungsprogramm für Grundlagenforschung aufgegleist ist, es aber noch zu wenig etablierte Förderung für Praxisprojekte gibt. Hier können unsere Mittel einen echten Unterschied machen.

Ganz konkret: Welche Projekte sucht ihr?

Wir wollen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt stärken – also die junge Generation im Alltag unterstützen für einen bestmöglichen Umgang mit digitalen Tools, wobei der Schutz ihrer mentalen Gesundheit immer im Fokus ist. Die Möglichkeiten hierfür sind vielfältig: ein Peer-Programm, in dem Jugendliche mit Gleichaltrigen über Social-Media-Druck und Selbstwert sprechen; ein Angebot für Eltern und Lehrpersonen zu Bildschirmzeit, Schlaf und Stress; oder ein niederschwelliges Angebot, das junge Menschen dort erreicht, wo sie ohnehin unterwegs sind. Besonders interessieren uns Ansätze, die sich bereits bewährt haben und nun in die Breite gehen sollen – überregional, in weitere Sprachregionen oder gar schweizweit. Genau diesen Schritt vom erfolgreichen Piloten zur grossen Reichweite wollen wir ermöglichen. Offen sind wir auch für neue Ideen und Projekte, sofern sie überzeugend zeigen, wie sie wirken und wachsen können.

Wer kann sich bewerben – und was ist ausgeschlossen?

Bewerben können sich gemeinnützige Organisationen mit Sitz in der Schweiz, gerne auch mehrere gemeinsam – zum Beispiel aus dem Gesundheits-, dem Sozial- und dem Bildungsbereich. Entscheidend sind ein klarer Bezug zu Prävention und Gesundheitsförderung, ein ausgewiesenes Bedürfnis und ein realistischer Plan, wie das Projekt auch nach unserer Förderung weiterbestehen kann. Nicht unterstützen wollen wir Grundlagenforschung, kommerzielle Vorhaben und die Finanzierung von Organisationsstrukturen. Alle Kriterien und Eckwerte publizieren wir zusammen mit der Ausschreibung im Dezember.

Auch das Verfahren ist neu. Was ändert sich für Gesuchstellende?

Bisher haben wir Gesuche laufend übers ganze Jahr hinweg behandelt. Neu gibt es einmal jährlich eine Ausschreibung mit einem zweistufigen Verfahren. Zuerst reicht man eine kurze Projektskizze ein – das hält den Aufwand für beide Seiten tief. Anfang Juni wählt die Kommission daraus eine kleine Zahl von Projekten aus, die besonders von Interesse sind. Diese Organisationen reichen dann ein ausführliches Gesuch ein und stellen ihr Vorhaben im September persönlich vor; danach fällt der Förderentscheid. Dieser direkte Austausch ist uns wichtig: Im Gespräch merkt man schnell, mit wie viel Kompetenz und Herzblut ein Team unterwegs ist. Und weil wir alle Projekte im gleichen Zeitfenster nach denselben Kriterien beurteilen, können wir sie direkt vergleichen. Die geförderten Projekte begleiten wir danach über mehrere Jahre.

Woran werdet ihr im besten Fall in drei Jahren erkennen, dass sich der neue Fokus gelohnt hat?

Wenn Projekte, die wir unterstützt haben, viele junge Menschen erreichen, nachweislich etwas bewirken und auch nach unserer Förderung weiterlaufen, weil sie fest verankert sind – etwa in Schulen, Gemeinden oder bei Partnerorganisationen. Mir persönlich ist dabei wichtig: Ich will digitale Tools und Social Media nicht verteufeln – junge Menschen erwerben damit rasch wichtige Kompetenzen. Entscheidend ist, dass sie, aber auch wir als Gesellschaft, die Zügel nicht aus der Hand geben und selbstbestimmt damit umgehen. Das wollen wir stärken – dafür setze ich mich ein.

Wann geht es los – und was können Interessierte schon jetzt tun?

Die erste Ausschreibung publizieren wir Anfang Dezember 2026 auf unserer Website und über LinkedIn, die Eingabefrist wird im April sein. Wer eine passende Idee hat, kann sie schon jetzt weiterentwickeln, mögliche Partner ansprechen und sich die Ausschreibung vormerken respektive uns auf LinkedIn folgen. Und wer Organisationen kennt, die in diesem Feld aktiv sind: Bitte leiten Sie diesen Beitrag weiter.

Ausschreibung ab Anfang Dezember 2026

Fragen an die Geschäftsstelle: in**@************na.ch

 

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